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Horst
Dich Frei!
Es ist also wahr: Du hast mit Hilfe der Checkliste ohne Zweifel einen Horst in Deiner näheren Umgebung identifiziert. Und, was noch viel schlimmer ist: Er kommt Dir immer näher. Vielleicht bist Du sogar schon emotional verwickelt. Und unglücklich. Oder Du hast die starke Vermutung, dass eventuell eine Deiner Freundinnen an einen Horst geraten ist. Die folgenden Verhaltensregeln werden helfen, den daraus entstehenden Schaden so gering wie möglich zu halten.
Regel Nr. 1: Horsts wissen meistens sehr genau, wie sie wirken und dass das Mysterium im Grunde ihr einziges Kapital ist. Wenn Dein Horst Dir nichts von sich erzählen mag, dann sei von vorn herein auf der Hut. Und sorge dafür, dass Dich das gar nicht erst beschäftigt. Denke logisch: Jemand, der nichts zu erzählen hat, ist - na? Eigentlich ziemlich uninteressant. Richtig. Also verhalte Dich auch so. Geheimnisse zu erforschen lohnt sich heutzutage nur noch für Archäologen oder FBI-Agenten. Wahrscheinlich bist Du weder das Eine noch das Andere. Und das wird wohl seinen Grund haben. Regel Nr. 2: Hoffe nicht, dass der Horst sich ändert, wenn Du nur genügend Geduld mit ihm hast oder besonders lieb zu ihm bist. Das genaue Gegenteil könnte der Fall sein: Oft schlägt ihn das sogar erst recht in die Flucht. Merke: Der Horst hat Angst vor Dir und dem, was Du für ihn verkörperst. Willst Du wirklich mit jemandem zusammen sein, der Angst vor Dir hat und Dich deshalb ungerecht behandelt? Wenn Du nicht gerade masochistisch veranlagt bist, sollte auch hier die Antwort lauten: Nein. Das ist hart. Aber es ist so. Und Du bist weder seine Mutter noch seine Therapeutin. Welche Prinzessin will das schon sein. Regel Nr. 3: Du bist der Boss. Du bist die Prinzessin. Er ist nur der Horst. Und deshalb bestimmst Du, wie oft Du ihn siehst, wann Du ihn siehst und wo Du ihn siehst. Lass Dich nicht darauf ein, dass er Dich immer dann treffen will, wenn Du gerade nicht kannst. Auch wenn das bedeutet, dass Du ihn dann vielleicht gar nicht siehst, denn meistens will der Horst Dich ausschließlich dann sehen, wenn er weiß, dass Du etwas Anderes vor hast. Das liegt in der Natur der Sache. Beziehungsweise in seinem kranken Hirn. Steht er vor Deiner Tür, wenn Du keine Lust auf ihn hast, dann lass ihn nicht herein. Geh nicht ans Telefon, wenn er mitten in der Nacht anruft und auf die unmöglichsten Ideen kommt. Auf der anderen Seite: Warte auch nicht darauf, dass er es tut. Lebe jedes Treffen, als sei es Euer letztes. Genieße das, aber lebe ansonsten Dein Leben. Erwarte nichts von einem Horst. Bleibe immer unabhängig. Und sorge dafür, dass er das weiß. Regel Nr. 4: Wenn er seine schlechte Laune mal wieder an Dir auslässt, dann ist das im Grunde ein Kompliment für Dich, denn Du verwirrst ihn. Das darfst Du auch so sehen, aber sage ihm das um Himmels Willen nicht. Es reicht völlig, dass Du es weißt. Und: Das darf kein Grund dafür sein, dass er Dir noch begehrenswerter erscheint. Er ist und bleibt gestört, und Du wirst ihn nicht retten. Gehe über seine Launen hinweg, indem Du ihn entweder rausschmeißt, auflegst oder gehst. Ohne ihm hinterher böse zu sein. Sondern einfach nur, weil Du keine Lust hast, Dir auch noch die Laune verderben zu lassen. So einfach ist das. Und wenn Du das erst ein paar Mal getan hast, wird es Dir sogar Spaß machen. Regel Nr. 5: Versuche nicht, ihn für Dinge zu interessieren, die Dich interessieren. Genieße diese Dinge lieber ohne einen Miesmacher an Deiner Seite. Regel Nr. 6: Sorge dafür, dass er nichts bei Dir parkt, außer, Du willst es unbedingt haben. Viele Horsts haben die Angewohnheit, gern etwas zu "vergessen", damit sie einen Grund haben, wieder auf der Matte zu stehen. Sie wissen meistens nicht, was sie wollen, und sie wollen weder "ja" noch "nein" sagen. Und sich immer alle Türen offen halten. Aber das wird letztendlich auf Deine Kosten gehen. Und auf Deine Nerven. Und deshalb solltest Du Dich dagegen wehren. Regel Nr. 7: Ein Horst plant nur ungern im Voraus. Das hängt mit seinem Problem zusammen, Entscheidungen zu treffen. Er will nicht nur unabhängig sein, sondern auch keine Verpflichtungen übernehmen. Geschweige denn Verantwortung. Rücksicht oder Zuverlässigkeit sind ebenfalls nicht unbedingt seine Stärken. Sei darauf vorbereitet und nimm es als gegeben hin. Nimm es nicht persönlich, wenn er Vorhaben plötzlich und unerwartet abbricht und dann so tut, als wäre nichts geschehen. Bei einem Horst muss man immer damit rechnen. Aber lass ihn die Konsequenzen spüren: Gib ihm zu verstehen, dass Du Freunde bevorzugst, auf die man sich verlassen kann. Und die da sind, wenn Du sie brauchst. Vielleicht bist Du ihm ja so wichtig, dass er sich demnächst Mühe gibt. Und wenn nicht - dann eben nicht. Dann lass den Horst Horst sein und such Dir richtige Freunde. Regel Nr. 8: Deine Stärke, Direktheit, Ehrlichkeit und Offenheit sind wahrscheinlich die Dinge an Dir, die den Horst am meisten anziehen und faszinieren. Pflege diese Eigenschaften, aber lass Dich nicht in eine Rolle drängen. Du musst nicht immer stark sein, und Du musst nicht immer offen sein. Oder lustig. Oder pflegeleicht. Wenn Dir nicht danach ist, dann lass es. Zeig Deine Schwäche, wenn Du willst, aber erwarte nicht, dass Du Dich bei einem Horst anlehnen kannst oder dass er sich um Dich kümmert. Manchen Horsts tut es gut, Schwäche zu sehen - sie legen dann vielleicht für kurze Zeit doch so etwas wie Fürsorglichkeit an den Tag. Aber Vorsicht: Ihre Launenhaftigkeit und die Angst vor ihrer eigenen Courage könnte dafür sorgen, dass sie Dir dann hinterher erst recht einen reinwürgen. Also traue dem Frieden nicht zu sehr. Mache Dein Wohlbefinden nie von der Zuwendung eines Horsts abhängig. Regel Nr. 9: Beziehungen mit einem Horst enden immer schmerzhaft. Oft verschwindet ein Horst Knall auf Fall, wenn es am Schönsten ist, und liefert nie eine Erklärung dafür. Oder er provoziert Dich so lange, bis Du ihn für so bekloppt hältst, dass Du einfach Schluss machen musst. Wenn Du erst an diesem Punkt feststellst, dass Du an einen Horst geraten warst, dann wird das sehr weh tun. Aber gerade jetzt musst Du immer daran denken, dass er eben ein Horst war. Erinnere Dich: Horsts treffen ungern eine klare Entscheidung. Deshalb ist es nur logisch, dass sie keine Erklärungen liefern wollen. Auf diese Art und Weise halten sie sich den Rückweg offen: Wenn er wollte, denkt er, könnte er jeder Zeit zurück kommen. Das heißt zwar nicht, dass er zurück kommen wird, aber es könnte passieren. Darauf solltest Du vorbereitet sein. Und wenn Du es nicht unbedingt darauf anlegst, ohne Telefon zurückgezogen in irgendeiner Käserei auf der Alm zu leben, dann solltest Du jetzt Grenzen ziehen. Du solltest Dir im Klaren darüber sein, dass er so eine Nummer nicht noch einmal mit Dir abziehen darf. Ziehe die Notbremse. Du kommst emotional nicht an ihn heran. Also sorge dafür, dass er auch an Dich nicht mehr heran kommt. Schütze Dich selbst. Und hab mal wieder Spaß mit Leuten, die Dir wirklich gut tun.
Vergiss nie, dass nicht alle Kerle Horsts sind. Es gibt einen Haufen Männer, die viel besser zu Dir passen und wirklich an Dir interessiert sind. Die dazu in der Lage sind, einer Prinzessin zu bieten, was sie braucht und verdient. Und obendrein vielleicht sogar noch besser aussehen, mehr verdienen, bessere Manieren haben, humorvoller und unterhaltsamer sind und besser Auto fahren können. Die etwas von sich erzählen können, ohne sich einen Zacken aus der Krone zu brechen, und kein Problem damit haben, Entscheidungen zu treffen oder Dir ihre Zuneigung zu zeigen. Schlage sie nicht durch übertriebenes Misstrauen nach horstigen Erfahrungen in die Flucht. Verlasse Dich auf Deine Menschenkenntnis, Deinen Instinkt und Deine Beobachtungsgabe. Suche keine Warnsignale, wo keine sind. Horsts sind zwar weit verbreitet, aber nicht das Übel der Welt. Schließe Frieden mit dem Horst, der Dir das Leben schwer gemacht hat, und sei froh darüber, dass Du durch ihn gelernt hast, nicht mehr auf Horsts reinzufallen. Kurz: Horst Dich Frei!
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