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Leseprobe Eske. Die Tage nach Monas Schreibblockaden sind immer die schlimmsten. Ich komme mit einem Kater in die Firma und versuche einfach nur, den Tag zu überstehen. Ich kriege nichts geregelt, außer es mir mit ein paar Kollegen zu verscherzen, weil ich wieder so unleidlich bin. Mittlerweile habe ich den Eindruck, daß Mona jeden zweiten Tag eine Schreibblockade hat, und ich kann mir in der Firma schon ein Alkoholproblem nachsagen lassen. Natürlich ist nicht jeder Kater ausnahmslos Monas Schuld. Ich bin ein freier Mensch und kann selber entscheiden, wann ich Caipirinha oder Apfelschorle trinke, aber das ist nicht so einfach. Erst wird man als Spielverderber beschimpft und dann denkt man sich selber auch: Recht haben die anderen, also hoch die Tassen. Dann ist es wieder drei Uhr morgens, man hat mal wieder kein Halten gekannt und das Geld reicht gerade noch für ein Taxi. Denn wenn man um diese Zeit die anderthalb Kilometer (Rittner behauptet, es sind nur achthundert Meter) noch zu Fuß gehen würde, wäre man ja noch später zuhause und man ist ja schließlich vernünftig. Säuferlogik. Ich bin mir immer noch nicht sicher, wie ich es eigentlich finde, daß Mona jetzt ein Buch schreibt, und dann auch noch über sich. Sicher, eine schöne Beschäftigung und auch mal was anderes als ständig in die Kneipe zu gehen, aber mir behagt der Gedanke nicht, daß sie sich womöglich als die tollste Frau, die die Welt je gesehen hat, darstellen könnte. Vermutlich will sie in dem Buch langbeinig und langhaarig sein. Es ist ihr gutes Recht, es ist schließlich ihr Buch. Genauso ist es allerdings auch mein gutes Recht, die Welt zu informieren, wie Rittner wirklich leibt und lebt. Vermutlich glaubt Mona wirklich die Dinge, die sie über sich schreibt, aber die Wirklichkeit sieht anders aus. Rittner ist blond, dick (sie sagt, es ist eine Zwischengröße) und lacht über alles. Und gerade wegen dieser seltsamen Zusammenstellung ist Mona ein Gesamtkunstwerk und einfach großartig. Aber: Sie schreibt ein Buch. Meine große Sorge ist nicht nur, ob meine Leber dadurch dauerhaften Schaden nimmt, sondern auch, wie Mona mich in ihrem autobiografischen Roman darstellen wird. Ich will ja schließlich nicht schlecht dabei wegkommen. Nachher lesen Leute das Buch und denken, ich bin irgendwie geistesgestört oder häßlich oder zu dick oder zu alt. Dieses Buch birgt viele Gefahren für mein Image, denn schließlich bin ich eigentlich sehr intelligent und sehr witzig und sehr sexy und sehr mittelschlank. Natürlich habe ich einige seltsame Eigenschaften, aber wer hat die nicht. Naja, nicht wirklich seltsam, aber trotzdem. Ich bin eben Ostfriesin, das läßt sich nicht wegdiskutieren. Damit sind ein sehr eigener Humor und auch eine sehr eigene Freundlichkeit verbunden, die von Nichtostfriesen gerne mal als Unfreundlichkeit ausgelegt wird. Ich bin ein sehr geselliger Typ, das wird von Mona bestimmt auch dargestellt werden, aber sicherlich maßlos übertrieben. Ich glaube, ich habe eine Novemberdepression. |