Die Prinzessin und der Horst
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Leseprobe

Auf dem Rückweg hielt mich Bille vom Empfang an.
"Mona, Post für Dich", rief sie mir vom Telefon aus zu, während sie mit der linken Hand den unteren Teil des Telefonhörers abdeckte und die Augen verdrehte. Irgendjemand kaute ihr gerade das Ohr ab und ließ sich nicht abwimmeln. Sie wies auf einen Umschlag, der zu groß für mein Postfach gewesen war und obendrauf lag.
"Danke." Ich griff ihn mir und sah auf den Absender. Er kam von Niels.
"Was is'n das?" erkundigte sich Eske.
"Von Niels", sagte ich und drückte den Umschlag an mich. Ich hatte Herzklopfen.
Angesichts unserer angeschlagenen körperlichen Verfassung sahen Eske und ich uns nicht in der Lage, zu Fuß in den vierten Stock zu laufen. Wir warteten geduldig auf den Aufzug. Wenigstens hatten wir heute eine Entschuldigung dafür.
"Was mag das sein?" fragte Eske.
"Ich weiß nicht", antwortete ich. "Keine Ahnung. Aber wir werden's ja gleich wissen."
"Psycho-Post", sagte Eske.
Sie verstand überhaupt nichts.
Oben angekommen, drehte ich den Umschlag einen Augenblick lang in den Händen. Niels hatte nichts, aber auch gar nichts davon verlauten lassen, daß ich Post von ihm erwarten dürfte. Ich riß den Umschlag auf und schielte hinein. Ein Stadtmagazin. Ein Stadtmagazin von Hannover. Was sollte ich denn damit? Ich zog es aus dem Umschlag, und ein Pixi-Buch fiel auf den Fußboden. Prinzessin Horst.

Was für ein wunderbarer Tag! Ich begann augenblicklich, Glückshormone auszuschütten. Ich las Prinzessin Horst. Von vorne nach hinten, von hinten nach vorn, immer wieder. Ich rannte durch die Redaktion und ging allen auf die Nerven, bis sie Prinzessin Horst ansahen und höfliche Begeisterung kundtaten. Ich hielt Prinzessin Horst sogar dem Geschäftsführer unter die Nase. Er machte einen Kontrollgang durch die Redaktion. Wahrscheinlich wollte er sich selbst ein Bild vom Ausmaß der vorabendlichen Ausschweifungen machen.
Dann schrieb ich an Niels. Er freute sich darüber, daß ich mich so wahnsinnig freute, und ich war verliebt wie noch nie zuvor. Das Leben war ein Tanz, und für mich war es Rock'n'Roll. Leidenschaftlich, exzessiv, laut, rücksichtslos. So war das Leben. Alles andere war egal. Niels. "Dieses Büchlein gehört", stand auf der ersten Seite vorgedruckt, und darunter hatte er geschrieben: "Prinzessin Mona".
Ja, ich war eine Prinzessin. Eine wachgeküßte Prinzessin. Ich wußte jetzt, was ich wollte. Ich wollte Niels. Ich wollte ihn ergründen mit all seinen Geheimnissen. Ich wollte seine Launen kennenlernen und wissen, was in ihm vorging. Ich wollte ihn und keinen anderen. Crispin war meilenweit weg.

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